Patchworkfamilie

So meis­terst du deine Patchworkfamilie

Eine Patch­work­fa­milie ist hoch­kom­plex und stellt für die Betei­ligten oft eine belas­tende Multi­level-Heraus­for­de­rung dar. Man möchte allen gerecht werden und läuft schnell Gefahr, durch­zu­rut­schen. Das kennen rund 13% der Schweizer:innen bestens aus ihrem Alltags­leben (statis­tisch gesehen trennen sich Paare mit Kindern aus vorhe­rigen Bezie­hungen sehr viel häufiger als Paare ohne Kinder). 

Viel Zünd­stoff, aber auch grosse Chancen

Der Weg zur Patch­work­fa­milie birgt sehr viel Zünd­stoff, aber auch grosse Chancen. Konflikte und Schwie­rig­keiten gehören dazu, können aber über­wunden werden, wenn, syste­misch gesehen, jede:r seinen ihm/​ihr gemässen Platz findet, an dem er/​sie sich gut und kraft­voll fühlt. Häufig anzu­tref­fende Frage­stel­lungen in diesem Zusam­men­hang sind beispiels­weise die folgenden:

  • Haben die eigenen Kinder den rich­tigen Platz vor dem neuen Partner?
  • Achtet der neue Partner den Vorrang des/​der Stiefkinde/​r?
  • Stimmt der Ausgleich, wenn nur einer Kinder hat?
  • Werden die Ex-Partner aner­kannt und gewürdigt?

Das erwartet eine Patchworkfamilie

Auch das Wissen um die Entwick­lungs­phasen einer Patch­work-Familie ist äusserst hilf­reich, wobei oft die einzelnen Phasen nicht strikt aufein­ander folgen, sondern eher inein­ander über­gehen, manchmal hin und her springen, mal länger oder kürzer dauern können. 

Erste Phase: Gegen­sei­tiges Beschnuppern

Voll im Liebes­taumel und mit weit offenem Herzen, ist man begierig darauf, seine/​ihre Kinder kennen­zu­lernen – mit besten Vorsätzen. Die Kinder hingegen sind aber oft noch dabei, Halt zu finden, ihre Bezie­hung mit Mutter und Vater neu zu sortieren, die Tren­nung und den Verlust des gewohnten Fami­li­en­le­bens zu verar­beiten. Zwei Gefühls­welten, die kolli­dieren und in der eine harte Landung in die Realität vorpro­gram­miert ist.

Hier ist vor allem der leib­liche Eltern­teil gefor­dert, ist er/​sie sowohl im neuen Gefüge als auch in den vertrauten und wich­tigen Fami­li­en­ri­tualen zu Hause. Von seiner inneren und äusseren Haltung hängt es ab, wie die Kinder die Situa­tion wahr­nehmen, annehmen und sich für einen neuen Herzens­men­schen öffnen können. Die grosse Heraus­for­de­rung dieser ersten Phase ist es, Räume zu schaffen für das gegen­sei­tige Kennen­lernen. Natür­lich braucht dies viel Zeit – oft Monate – und noch mehr Geduld. Doch wenn sich die Kinder an der Seite des leib­li­chen Eltern­teils sicher und geborgen fühlen, öffnen sie sich eher für neue Erfah­rungen und Erleb­nisse. 

Zweite Phase: Konflikte offen austragen

Wenn aus dem Beschnup­pern mehr, es im Zusam­men­leben der Patch­work­fa­milie enger und ernster wird, werden Konflikte offen ausge­tragen. Die verschie­denen Erwar­tungen, Bedürf­nisse und Ansprüche der Fami­li­en­mit­glieder prallen nun voll aufein­ander. Auch unter Umständen mit dieje­nigen des anderen, leib­li­chen Eltern­teils. Die neue Hack­ord­nung wird fest­ge­legt, seitens der Kinder oft auch aggressiv reagiert. So zeigen sie ihre Stra­tegie für ihr seeli­sches Erleben und Überforderung.

Syste­misch gesehen geht es jetzt um die Suche nach einem neuen Platz im Fami­li­en­system, um die ganz konkrete Neuge­stal­tung der Posi­tionen und Rollen aller Betei­ligten, sprich den leib­li­chen Eltern und Stief­eltern, Kindern und Halb­ge­schwis­tern und nicht zuletzt den neuen Patch­work-Eltern. Hilf­reich hierbei ist ein stabiler Rahmen, in dem produk­tive Ausein­an­der­set­zungen und auch klärende, reini­gende Kämpfe statt­finden dürfen, beispiels­weise mittels einer regel­mässig statt­fin­denden Fami­lien-Konfe­renz. Eine grosse Aufgabe, die vor allem die Erwach­senen in dieser Phase heraus­for­dert und die nicht vergessen sollten, dass Kinder eben wie Kinder reagieren und auch so reagieren dürfen. 

Dritte Phase: Fragiler Alltag

Es gibt klare Abma­chungen und Abläufe, an die sich alle langsam gewöhnen und manchmal sogar auch einhalten. Noch ist das neue Fami­li­en­gefüge zerbrech­lich, weshalb eine offene Kommu­ni­ka­tion, auch in Form von Ritualen, in dieser Phase beson­ders wichtig ist. Vieles darf und kann noch einmal über­dacht, revi­diert und korri­giert werden, bis alle hinrei­chend zufrieden sind und sich mit ihrem neuen Platz wohl­fühlen – vor allem die Kinder. Aber auch für die Paar­be­zie­hung heisst es spätes­tens jetzt, Rituale und Räume für sich zu schaffen. 

Letzte Phase: Neuer Alltag

Es kehrt ein neuer Alltag ein. Einige Rituale mögen über­flüssig werden und verschwinden wieder. Andere bewähren sich und sind Teil des ganz normalen, manchmal steilen Alltags geworden. 

Balance durch Coaching

Im Einzel­coa­ching oder mittels einer syste­mi­schen Aufstel­lung können die oft hoch­kom­plexen Situa­tionen und wech­sel­sei­tigen Verflech­tungen gut und bild­haft veran­schau­licht werden. Mögliche, belas­tende Situa­tionen und Symptome, die durch die verwor­renen Bezie­hungen der Fami­li­en­mit­glieder mögli­cher­weise bestehen, können so erkannt, geordnet und geklärt werden. Sich zeigende Span­nungs­felder zwischen leib­li­chen Eltern und Stief­eltern, Kindern und Halb­ge­schwis­tern und nicht zuletzt zwischen den neuen Patch­work-Eltern können durch ein systemisches Coaching zum Wohle aller Betei­ligten in Balance gebracht werden.

Dominique-Raymond-Rychner-Life-und-Business-Coach-Zuerich

Über den Autor

Dominique Raymond Rychner ist syste­mi­scher Life- und Busi­ness­coach in Zürich. Er ist Vater von zwei Teen­agern, geschieden und bietet im Kreis 6 indi­vi­du­elle Coachings für Frauen, Männer und Paare an. Daneben führt er regel­mässig Semi­nare für Fami­li­en­stel­lungen durch. Diese Fami­li­en­stel­lungen sind auch im Rahmen von indi­vi­du­ellen Coachings möglich. Dominique Raymond Rychner verfügt über 25 Jahre Bera­tungs­kom­pe­tenz im inter­na­tio­nalen Privat- und Firmenkundengeschäft.