Unser Körper lügt nicht.

«Unser Körper lügt nicht!»

Dein eigener Körper verrät eine ganze Menge über dich. Du bist ja in deinem Körper Zuhause, du bewohnst ihn und bist mit ihm vom ersten bis zum letzten Atemzug verbunden. Und diese Erkenntnis funk­tio­niert bei Gesund­heit ebenso wie bei Abwe­sen­heit von Gesund­heit. Bin ich gesund, kann ich durch bewusste Körper­wahr­neh­mung mit mir Kontakt aufnehmen. Medi­ta­tion, Yoga, Bewe­gung, Sport, bewusstes Atmen sind einige Beispiele dazu. Aber schon alleine das bewusste Sehen, Fühlen, Entde­cken unserer Welt ist eine gesunde Haltung. Natür­lich auch bei Abwe­sen­heit von Gesund­heit, wenn der Körper durch Symptome auf sich aufmerksam macht oder wir krank sind, hat unser Körper ganz viel zu sagen, wenn wir auf ihn hören. 

Mit diesem Blog möchte ich ein Angebot machen, Symptome und Befind­lich­keiten einmal aus syste­mi­scher Sicht – also aus der Sicht im Mitein­ander – zu betrachten. Mitein­ander heisst, dass uns unser Umfeld, Muster und Prägungen mögli­cher­weise krank machen kann. Wenn uns unser Umfeld zu viel wird, dann meldet sich unser Körper. Du wirst merken, wenn du auf deinen Körper hörst, öffnet sich ein neues Fenster der Erkenntnis. Daher möchte ich dich einladen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ist, mit den Symptomen, mit dem Körper zu spre­chen als Teil­aspekt einer mögli­chen Inter­ven­tion im syste­mi­schen Coaching. 

Wir fühlen dem anderen nach

Alle von uns haben Spie­gel­neu­ronen und wenn du jemanden beob­ach­test, der sich eben in den Finger schneidet, fühlst du das in der Regel mit. Das Mitfühlen macht uns über­haupt aus. Das Ich entsteht bekann­ter­massen im Du, sprich wir erkennen uns im Spiegel der anderen oftmals selbst. Wichtig ist, wir sind nie schuld an einer Krank­heit. Oft wird nämlich genau das oft von einem Gegen­über attes­tiert. Viel­mehr ist es eine Situa­tion, die wir bis anhin über­sehen haben und der Körper kann, wenn wir auf ihn eingehen, zur Selbst­be­ob­ach­tung und Selbst­be­stim­mung dien­lich sein. 

Wir haben uns an eine Wegmach-Gesell­schaft gewöhnt. In dieser lassen wir durch unsere Träg­heit zu, dass andere über uns bestimmen. Viele von uns haben nie wirk­lich gelernt, sich ihrem Schmerz auch mal offen und ganz frei­willig zuzu­wenden. Denn schliess­lich gibt es für alles ein Gegen­mittel. Auch das haben wir ganz früh auf unseren Weg mitbe­kommen. Man nimmt eine Tablette und die Schmerzen sind einfach weg. Wir wenden unsere Energie also eher für das Vernichten des Problems auf, als auf die Antwort zu hören, die unser wunder­bares Leben für uns bereit­hält. Natür­lich, wenn Schmerzen da sind, wenn es uns nicht gut geht, die Angst da ist, dass es noch schlimmer wird, dann sind wir auch nicht offen für diese Erkenntnis. Aber genau dann wäre es so wertvoll.

Der passive Patient

Als Erwach­sener ist uns der Schmerz dann nur noch fremd, weil wir früh gelernt haben, dass er nicht salon­fähig ist. «Ein Indianer kennt kein Schmerz.» «Ein Mann weint nicht.» etc. Und später wissen wir nicht damit umzu­gehen. Wir wissen dann nichts anderes als einen Arzt zu konsul­tieren und dann um Betäu­bung zu bitten. Wir betrachten den Arzt wie eine Auto­werk­statt und wollen unser Leben oder Teil­be­reiche, die nicht funk­tio­nieren, einfach repa­rieren lassen. Unser Leben soll dann durch externe Fach­leute wieder in Gang gesetzt werden oder wir lassen gar Teile austau­schen. Das ist dann letzt­end­lich der passive Patient, der keine Verant­wor­tung mehr für sich und sein Leben über­nehmen möchte. Und es auch nicht anders gelernt hat. Doch das Leben wird ge-managed und eben nicht repariert. 

Glück und Wohl­stand sind eine Frage der Lebens­ein­stel­lung und nicht eine nach dem besten Hand­werker. Die Repa­ratur wird in der Regel von jemand anderem ohne unser Zutun erle­digt und damit die Chance, wirk­lich etwas Gutes oder Wich­tiges für unser Leben zu lernen, verwirkt. Austausch passiert immer nur mitein­ander und nie alleine. Und da unsere Probleme mitein­ander entstanden sind, liegt darin die grösste Chance für unsere Entwick­lung im eigenen Leben. So ist auch zu erklären, dass unsere heutige medi­zi­ni­sche Versor­gung in akuten Fällen ein Segen ist, aber oftmals bei chro­ni­schen Beschwerden versagt, keinen Rat weiss. Denn oftmals erhalten chro­ni­sche Erkran­kungen oder psycho­so­ma­ti­sche Probleme bei offen­sicht­lich gesunden Menschen ihre Wirk­kraft aus dem Unbewussten.

Warum ist unser Körper also krank?

Wie wir mit unserem sozialen Umfeld umgehen und wie die Umge­bung mit uns inter­agiert, drückt sich über unser Bewusst­sein oder viel­mehr Unter­be­wusst­sein logi­scher­weise auch in unserem Körper aus – positiv wie negativ. Wenn es uns richtig gut geht, sind wir in der Regel auch gesund; wenn es uns nicht gut geht, werden wir auf Dauer krank. Nicht wir sind krank, sondern unser Umfeld kann uns krank machen. Wir Menschen haben seit Jahr­tau­senden über­lebt, weil wir uns der Umwelt immer wieder anpassen konnten. Gleich­zeitig ist dieses wunder­bare Anpas­sungs­ver­halten Nähr­boden für patho­lo­gi­sche, also krank­hafte Prozesse. 

Aus der fern­öst­li­chen Heil­kunde ist bekannt, dass jedes Körper­organ eine soziale Bewe­gung reprä­sen­tieren kann. Ist das Körper­organ im Ungleich­ge­wicht, sind Ener­gien blockiert, zeigt es uns, was uns wider­strebt und dass wir mögli­cher­weise etwas leben, was wir so nicht tun möchten aber glauben tun zu müssen. Dieser grund­sätz­liche Über­le­bens­trieb der Anpas­sung zeigt unsere Flexi­bi­lität, wird aber mögli­cher­weise zum Schaden, wenn wir darauf verzichten, unser eigenes Leben zu leben. 

Aufstel­lung: Wohltat für deinen Körper

Achte mal ganz genau, welche Körper­sym­ptome sich im Moment in deinem Leben zeigen. Hast du Kopf­schmerzen? Rücken­schmerzen? Oder schon länger eine bestimmte Krank­heit? All diese Empfin­dungen können Spiegel für emotio­nale Themen sein, die der Körper noch mit sich herum­trägt. Über diese unan­ge­nehmen Symptome kommu­ni­ziert unser Unter­be­wusst­sein über unseren Körper mit uns, wenn wir ihm nicht zuhören. Und damit sind sie ein super Indi­kator mit dem im syste­mi­schen Coaching gear­beitet werden kann. 

So können beispiels­weise mit Hilfe einer syste­mi­schen Aufstel­lung Erkennt­nisse gewonnen werden, ob eine Verstri­ckung mit der Herkunfts­fa­milie besteht (also eine Verlet­zung von syste­mi­schen Prin­zi­pien im Herkunfts­system) oder sie mögli­cher­weise Ausdruck von eigenen, nicht gelebten oder unter­drückten sind. Während es beim ersteren um die Aner­ken­nung und Achtung des Schick­sals der Person, mit der ich verstrickt bin geht, handelt es sich bei letz­terem um das Erkennen, Annehmen und Reinte­grieren der nicht gelebten Anteile. Oft ist es eine Kombi­na­tion dieser beiden.

Zusam­men­fas­send geht es bei einer Aufstel­lung mit Krank­heiten und Symptomen darum, sich dem Feld anzu­ver­trauen, um – gege­be­nen­falls – Hinweise auf Ursprung, Bedeu­tung und Botschaft der Beschwerden zu bekommen. Wichtig dabei ist, dass die syste­mi­sche Arbeit immer als Möglich­keit, als Orien­tie­rung und nicht als Dogma verstanden werden soll. Sie soll die schul­me­di­zi­ni­sche Behand­lung weder ersetzen noch ausschliessen, sondern als mögliche Verbin­dung beider Bereiche gesehen werden.

Dominique-Raymond-Rychner-Life-und-Business-Coach-Zuerich

Über den Autor

Dominique Raymond Rychner ist syste­mi­scher Life- und Busi­ness­coach in Zürich. Er ist Vater von zwei Teen­agern, geschieden und bietet im Kreis 6 indi­vi­du­elle Coachings für Frauen, Männer und Paare an. Daneben führt er regel­mässig Semi­nare für Fami­li­en­stel­lungen durch. Diese Fami­li­en­stel­lungen sind auch im Rahmen von indi­vi­du­ellen Coachings möglich. Dominique Raymond Rychner verfügt über 25 Jahre Bera­tungs­kom­pe­tenz im inter­na­tio­nalen Privat- und Firmenkundengeschäft.