Burnout-erschoepfung.systemische-aufstellung

BURN ON statt BURN OUT

Bist du unglaub­lich enga­giert bei der Arbeit, über­nimmst unzäh­lige Aufgaben und Über­stunden stehen bei dir an der Tages­ord­nung? Fühlst du dich körper­lich und geistig erschöpft, Moti­va­tion und Freude werden für dich langsam aber sicher zu Fremd­wör­tern? Oder kennst du das Gefühl, dass du neben dir stehst, dich wie in Watte gepackt fühlst oder dich wahr­nimmst, als ob du dich hinter einer Glas­scheibe befin­dest? Dann soll­test du hier unbe­dingt weiter­lesen. Ich möchte dir aufzeigen, was es mögli­cher­weise damit auf sich hat, woran du ein Burnout erkennst und was dir Linde­rung verschaffen kann.

Beant­worte folgende Fragen für dich.

Zuerst lade ich dich ein, die folgenden Fragen für dich selbst zu beantworten:

  1. Steckst du dir deine Ziele oft unrea­lis­tisch hoch und musst unglaub­lich viel Energie aufwenden, um sie zu erreichen?
  2. Sind deine Ziele haupt­säch­lich darauf ausge­richtet, den Erwar­tungen anderer gerecht zu werden?
  3. Erwar­test du eine Beloh­nung für deinen selbst­ge­wählten über­mä­ßigen Einsatz?
  4. Zwei­felst du oft, ob dein Handeln richtig ist?
  5. Fällt es dir schwer, „Nein“ zu anderen zu sagen?
  6. Redest du dir immer wieder ein, dass du stets Höchst­leis­tungen erbringen musst?
  7. Ist dein Selbst­wert­ge­fühl von deinem beruf­li­chen Erfolg abhängig?

Falls du mehrere Fragen mit Ja beant­wor­test, kann es durchaus sein, dass du zumin­dest burnout-gefährdet bist.

Hast du verlernt, abzuschalten?

Es beginnt meist damit, ein bestimmtes Ziel errei­chen zu wollen. Dein Antrieb, ob bewusst oder unbe­wusst, ist dabei Bewun­de­rung und Aner­ken­nung im Aussen zu erhalten. Du möch­test dich von der Masse abheben, aber gleich­zeitig machst du dich von ihr abhängig, da du ihre Aner­ken­nung brauchst. Um diese zu bekommen, unter­nimmst du enorme Anstren­gungen. Dabei kann es sich um beruf­li­ches Weiter­kommen, sport­liche Leis­tungen, oder das Privat­leben handeln. Nach und nach beginnst du, dein komplettes Leben auf die Erfül­lung von Erwar­tungen auszu­richten. Diese Erwar­tungen stellst du selbst an dich und die Mittel­mäs­sig­keit ist dabei dein grösster Feind.

Nie bist du mit dir, deiner Leis­tung oder deinem Körper zufrieden. Es geht immer noch besser, noch effi­zi­enter, noch durch­trai­nierter. Deine Ziele korri­gierst du stetig nach oben, so dass du niemals ankommen kannst. Du lebst wie auf der Flucht. Niemals darfst du zur Ruhe kommen, denn dann müss­test du nach Innen schauen und was du dort finden würdest, ist innere Leere und Einsam­keit. Da du keine andere Lösung siehst, musst du immer fort weiter­ma­chen. Du betäubst dich mit Arbeit, Sport oder anderem in exzes­sivem Ausmass.

Stetig schraubst du die Zahl deiner Arbeits­stunden nach oben, erhöhst die Trai­nings­ein­heiten und verschiebst die Erho­lungs- und Entspan­nungs­phasen immer wieder in die Zukunft. Und eben genau dieses stän­dige Aufschieben der Erho­lung auf einen späteren Zeit­punkt birgt ein hohes Poten­zial für die Entste­hung eines Burnout-Syndroms. Der Zeit­punkt deiner Erho­lung tritt prak­tisch nie ein und irgend­wann stellst du fest, dass du längst verlernt hast, abzuschalten.

Wie kannst du ein Burnout früh erkennen?

Wenn du dich über einen langen Zeit­raum grossem Stress und Druck aussetzt und dir gleich­zeitig zu wenig Ausgleich gönnst, brennst du über kurz oder lang auf emotio­naler, geis­tiger und körper­li­cher Ebene aus. Anfangs fühlst du dich müde und abge­schlagen, aber dein Ziel scheint dir die Mühe wert zu sein. Deine geis­tige und körper­liche Erschöp­fung führt allmäh­lich zum Verlust deiner Leis­tungs­fä­hig­keit. Du ziehst dich immer mehr aus deinem sozialen Umfeld zurück. Was du zu Beginn viel­leicht noch mit Aufputsch­mit­teln, Alkohol oder Ziga­retten kompen­sieren konn­test, beginnt dich langsam aufzufressen.

Die Signale deines Körpers werden deut­li­cher. Schlaf­stö­rungen sind keine Selten­heit. Du wirst immer antriebs­loser und empfin­dest kaum noch Freude am Leben. Du beginnst zuneh­mend am Sinn deines Tuns zu zwei­feln, machst aber uner­müd­lich weiter. Du kannst nicht stehen bleiben, du hast zu viel Angst davor, was dich erwarten könnte. Zu lange hast du dich schon über Leis­tung definiert.

Wann bist du beson­ders gefährdet?

Wenn du dich nur noch über das, was du tust oder besitzt defi­nierst und nicht darüber, wer du bist, bist du beson­ders gefährdet. Ebenso wenn der Leis­tungs­ge­danke bereits aner­zogen wurde, du das Wohl anderer immer wieder über dein eigenes stellst, du zu Sucht­ver­halten neigst, schlecht dele­gieren kannst, unter einem ausge­prägten Perfek­tio­nismus leidest, es dir schwer fällt einfach mal „Nein“ zu sagen oder dich abgrenzen zu können.

Die innere Leere, die du verspüren magst, stammt womög­lich aus deiner Kind­heit. Bist du als Kind starker, emotio­naler Über­for­de­rung ausge­setzt, reagierst du mit Disso­zia­tion, ein auto­ma­ti­scher Schutz­me­cha­nismus, der dich vor diesem und zukünf­tigem Schmerz bewahren soll. Dazu spaltet sich ein Teil von dir und deiner Emoti­ons­welt ab und wird tief in deinem Unter­be­wusst­sein verstaut. Von diesem Ich-Anteil weisst du heute nichts mehr und du tust unbe­wusst alles, damit dies auch so bleibt. Die Angst vor erneutem Schmerz ist zu gross. Aber genau dieser abge­spal­tene Ich-Anteil führt zu dem Gefühl der inneren Leere und lässt dich nicht zur Ruhe kommen. Das Wegschauen kostet dich jeden Tag zusätz­liche Energie. Je mehr alte unge­löste Konflikte du in dir trägst, desto weniger Zugang hast du zu dir selbst und desto mehr Energie verschwen­dest du täglich an dein Unterbewusstsein.

Das verletzte innere Kind

Auch wenn das für dich neu sein mag, die unge­lösten Konflikte deiner Kind­heit haben starken Einfluss auf dich, deine Wahr­neh­mung und dein Verhalten. Sie bestimmen, ob du dich durch­setzen kannst, du dir Stress oder Druck machst, wie du mit Kritik umgehst und wie hoch die Erwar­tungen an dich selbst sind.

Nur wenn dein inneres Kind stark verletzt ist, sprich der Anteil in dir, der für deine gesamte Gefühls­welt zuständig ist, bist du in der Lage verant­wor­tungslos und achtlos mit dir selbst umzu­gehen. Burnout kann demnach ein starkes Anzei­chen für eine tief­sit­zende, alte Verlet­zung sein. Viel­leicht bist du als Kind in deiner Persön­lich­keits­ent­wick­lung zu wenig unter­stützt worden, konn­test nicht das nötige Selbst­be­wusst­sein und den nötigen Selbst­wert entwi­ckeln. Dadurch bist du mögli­cher­weise nicht ausrei­chend in der Lage, Verant­wor­tung für dich als Erwach­senen zu über­nehmen und deine eigenen Grenzen zu erkennen, zu achten, für dich und deine Grenzen einzustehen.

Öffne dich für dich selbst

Selten sind es die äusseren Umstände, die dich zur perma­nenten Selbst­über­for­de­rung zwingen. Du bist es selbst. Burnout kann die Folge einer selbst erwählten Über­for­de­rung sein, ein Mittel zur Ablen­kung von dir selbst, von deinem verletzten inneren Kind, die Folge deiner unge­sund gelebten Verdrän­gung. Die Flucht davor, nach innen zu schauen. Du möch­test nicht hören, was deine innere Stimme dir zu sagen hat, die Stimme deines verletzten inneren Kindes. Die beste Flucht ist immer die Sucht. Ob nun nach Arbeit, Part­ner­schaft, Sport, Sex oder Party. Alles, was dich körper­lich und seelisch auslaugt, wenn du es zu exzessiv betreibst, kann dich zum Burnout führen.

Doch mit dem Burnout hast du das falsche Ziel vor Augen. Du selbst soll­test das Ziel sein. Kontakt zu dir und deinen Bedürf­nissen, zu deinen Gefühlen zu finden. Es ist ein starker Weckruf, nicht nur deinen Lebens­stil zu ändern, sondern auch die Einstel­lung zu dir selbst. Möch­test du innere Ausge­gli­chen­heit und Zufrie­den­heit spüren, führt kein Weg an einer Innen­schau vorbei. Öffnest du dich nicht für dich selbst, bleibt dein Leben leer, egal wie sehr du es mit Arbeit, Geld, Status oder Luxus voll­stopfst. Es gibt andere Optionen, als weiter­zu­ma­chen. Du kannst sie in deinem Zustand mit deiner Wahr­neh­mung viel­leicht nur nicht erkennen.

Erkenne deine eigenen Grenzen

Burnout kann also die Wirkung perma­nenter Selbst­über­for­de­rung sein, die sich körper­lich, geistig und emotional nieder­schlägt und gerade bei fort­ge­schrit­tenen körper­li­chen Symptomen unbe­dingt einer fach­me­di­zi­ni­schen Behand­lung bedarf. Die Grenz­über­schrei­tung kann als Versuch verstanden werden, dich selbst wahr­zu­nehmen. Denn nur wenn der Zugang zu dir selbst fehlt, ist es dir möglich, immer wieder über deine eigenen Grenzen hinweg zu gehen und dich bis zur totalen Erschöp­fung zu veraus­gaben. Burnout kann als Notbremse deines Körpers verstanden werden, wenn deine innere Leere zu lange den Ausgleich im Extrem sucht: Karriere. Sport. Sex. Rave. Perfek­tion. Kontrolle. Aber was du eigent­lich suchst, bist du selbst.

Im syste­mi­schen Coaching wirst du Schritt um Schritt zu deiner inneren Wahr­heit begleitet, wirst deine Glau­bens­muster kennen­lernen und der Quelle deren Entste­hung auf den Zahn fühlen. Du wirst verstehen, was Verdrän­gung und Vermei­dung mit Burnout zu tun haben. Auch wirst du erkennen, was dein Perfek­tions- oder Kontroll­streben für eine Rolle dabei spielen. Erst dann bist du wirk­lich frei, um wirk­lich ganz bei dir anzukommen.

Dominique-Raymond-Rychner-Life-und-Business-Coach-Zuerich

Über den Autor

Dominique Raymond Rychner ist syste­mi­scher Life- und Busi­ness­coach in Zürich. Er ist Vater von zwei Teen­agern, geschieden und bietet im Kreis 6 indi­vi­du­elle Coachings für Frauen, Männer und Paare an. Daneben führt er regel­mässig Semi­nare für Fami­li­en­stel­lungen durch. Diese Fami­li­en­stel­lungen sind auch im Rahmen von indi­vi­du­ellen Coachings möglich. Dominique Raymond Rychner verfügt über 25 Jahre Bera­tungs­kom­pe­tenz im inter­na­tio­nalen Privat- und Firmenkundengeschäft.