Systemisches Coaching Nein sagen lernen

Nein statt Jein. Warum du klare Grenzen setzen solltest.

Kennst du deine persön­li­chen Grenzen? Stehst du hinter diesen Grenzen oder schlägt dein inneres «Nein» schnell einmal in ein ausge­spro­chenes «Ja» um? Hast du Angst, wegen einem «Nein» abge­lehnt zu werden oder möch­test mit einem «Ja» gefallen und ein netter, braver Junge oder ein nettes, braves Mädchen sein?

«Die Frei­heit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will. Sondern darin, dass er nicht tun muss, was er nicht tun will.» Dieses Zitat stammt von Jean-Jacques Rous­seau. Damit du nicht tun musst, was du nicht tun willst, musst du «Nein» sagen können. Versuche es doch gleich einmal: «Nein! No! Non! Nej! Ne! Net!» Na also, geht doch! 

Wir brau­chen die Fähig­keit, «Nein» sagen und gesunde Grenzen setzen zu können, damit wir als eigene Persön­lich­keit mit eigenen Bedürf­nissen, Gefühlen und Ideen wahr­ge­nommen werden. «Nein» sagen ist wichtig, damit du dich sicher fühlst. Wenn du nicht nein sagen kannst, ist ein gesunder Kontakt zu anderen Menschen nicht möglich. Denn in Wahr­heit kannst du nur dann ehrlich «Ja» sagen, wenn du auch in der Lage bist, ein klares «Nein» zu formulieren.

Sorge für dich

Viele Menschen haben das Gefühl für gesunde Grenzen schon in ihrer Kind­heit verloren. Das macht es enorm schwierig, ein autarkes, selbst­be­stimmtes Leben zu führen. Aber: Du kannst dieses authen­ti­sche, auto­nome «Ich» entwi­ckeln und lernen, gut für dich zu sorgen. Nicht im egois­ti­schen Sinne «me first». Sondern selbst­für­sor­gend. Keine Frage: Die Fähig­keit zur Abgren­zung erfor­dert Ausdauer, Konflikt­be­reit­schaft, Kraft und Mut. Aber genau diese Fähig­keiten brauchst du für ein selbst­be­stimmtes, stabiles «Ich». Ein «Ich», das Angriffe und Über­griffe wirksam abwehrt. Ein «Ich», das sich behauptet und dennoch offen ist für Gemein­sam­keit und Nähe.

Es sind deine Grenzen, die es dir ermög­li­chen, deine Werte zu leben, zu dir selbst zu stehen und erfül­lende Bezie­hungen einzu­gehen. Du kannst lernen, dein persön­li­ches Hoheits­ge­biet durch Grenzen zu markieren, damit es dir gutgeht. Inner­halb dieses Hoheits­ge­bietes bestimmst einzig und allein du, was erlaubt ist und was nicht. Über­schreitet jemand körper­lich oder verbal deine Grenzen, spürst du das sehr direkt und deut­lich. Weil du dann unan­ge­nehm berührt bist und in Stress gerätst.

Finde deine Stärke

Der Weg zu deinem inneren Frieden und zu deiner wahren Stärke führt über die Heraus­for­de­rung, dass du gut für dich sorgst. Das bedeutet, dass du dir über deine Absichten, Bedürf­nisse und Inter­essen im Klaren sein soll­test. Wenn du deine Bedürf­nisse klar defi­niert hast, kannst du sie auch kommu­ni­zieren, danach leben und dich für sie einsetzen. Du stellst klar, was für dich wichtig ist und erschaffst deinen Raum für Frei­heit und Fülle.

Einige Menschen denken, dass andere doch merken müssen, wenn sie zu weit gegangen sind. Doch jeder von uns hat indi­vi­du­elle Grenzen. Diese Grenzen können andere Menschen nicht immer nach­voll­ziehen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du dich zeigst. Und klar machst, was für dich tole­rierbar ist. Und was nicht. Dass du lernst, für dich einzu­stehen, Verant­wor­tung zu über­nehmen und für dich zu sorgen.

Liebe dich selbst

Selbst­für­sorge bedeutet, dass du dich von allem verab­schie­dest, was dir nicht guttut. Und das funk­tio­niert nur, wenn du konse­quent «Nein» sagst zu allem, was nicht zu dir passt! Indem du dich traust, Grenzen zu setzen, zeigst du, dass du den Mut hast, dich selbst zu lieben, selbst wenn du dabei das Risiko eingehst, andere zu enttäuschen.

Du allein entschei­dest, welches Verhalten von anderen Menschen du zu tole­rieren bereit bist. Das fällt dir viel­leicht nicht ganz so einfach. Doch du bist du nicht allein. Und wenn du dich selbst nicht genug akzep­tierst und wert­schätzt – wie sollen dann andere für dich einstehen? Wenn du andere wich­tiger nimmst, als dich selbst, stufst du ihre Frei­heit unbe­wusst wich­tiger ein, als dein eigenes Recht auf dein Wohl und auf die Wahrung deiner Grenzen.

Selbst­wert verbessern

Einfa­cher gesagt als getan. Sicher. Aber um genau das zu üben und deinen Selbst­wert zu stei­gern, lade ich dich ein, eine kleine Übung zu machen: Forscher der Univer­sität Michigan haben nämlich heraus­ge­funden, dass Selbst­ge­spräche unser Selbst­wert­ge­fühl stärken. Probier’s am besten gleich aus und führe hörbar Selbst­ge­spräche. If you can’t make it – fake it! Tu einfach so, also ob!

Achte darauf, dass du von dir selbst nur nament­lich und in der dritten Person Einzahl sprichst. Beispiel: «Das ist eine grosse Heraus­for­de­rung für Dominique. Aber Dominique wird es sicher schaffen!» Klingt zuge­ge­be­ner­massen etwas schräg und fühlt sich am Anfang auch so an. Doch es hat viele posi­tive Effekte: Du gewinnst mehr Klar­heit für eine Situa­tion und kannst sie besser einschätzen.

Selbst­ver­trauen steigern

Wenn du häufig Selbst­ge­spräche führst, kannst du dich besser fokus­sieren und dich besser moti­vieren. Zudem betrach­test du Vorfälle objek­tiver und emoti­ons­loser. Denn du handelst weniger im Gefühls­modus. Zudem kommst du besser und schneller ins Tun. All dies trägt letzt­lich zur Stär­kung deines Selbst­ver­trauens bei und hilft dir, wert­schät­zend zu dir selbst zu spre­chen – genau so, wie es ein guter Freund oder eine gute Freundin tun würden. Mit dem eigenen Sein zu kommu­ni­zieren, hat etwas Entlas­tendes, Vitales und emotional Aufbauendes.

Im syste­mi­schen Coaching wirst du Schritt für Schritt zu deiner inneren Wahr­heit begleitet. Du lernst deine Glau­bens­muster kennen und entdeckst, woher sie kommen und wie sie entstanden sind. Du verstehst, woher dein Wider­stand, klare Grenzen zu setzen und deine Harmo­nie­sucht kommt. Erst dann bist du wirk­lich frei, um wirk­lich ganz bei dir anzu­kommen. Und vergiss nie: Manchmal ist ein Nein die liebe­vollste Antwort, die du einem Menschen geben kannst.

Dominique-Raymond-Rychner-Life-und-Business-Coach-Zuerich

Über den Autor

Dominique Raymond Rychner ist syste­mi­scher Life- und Busi­ness­coach in Zürich. Er ist Vater von zwei Teen­agern, geschieden und bietet im Kreis 6 indi­vi­du­elle Coachings für Frauen, Männer und Paare an. Daneben führt er regel­mässig Semi­nare für Fami­li­en­stel­lungen durch. Diese Fami­li­en­stel­lungen sind auch im Rahmen von indi­vi­du­ellen Coachings möglich. Dominique Raymond Rychner verfügt über 25 Jahre Bera­tungs­kom­pe­tenz im inter­na­tio­nalen Privat- und Firmenkundengeschäft.