Dominique Raymond Rychner Coaching – Aufstellungen für Privatpersonen und Unternehmen, Kreis 6, Zürich

Entwick­lung statt Tren­nung – so über­windet ihr eine Beziehungskrise

In der Schweiz werden zwei von fünf Ehen geschieden. Eine Bezie­hungs­krise führt oft zum endgül­tigen Aus. Trennen sich Paare zu früh? Viel­leicht. Auf der anderen Seite ist eine Tren­nung in vielen Fällen die bessere Lösung: Wer ledig­lich aus Angst vor den Eltern, den Nach­barn oder der unge­wissen Zukunft zusam­men­bleibt, tut niemandem einen Gefallen. Am aller­we­nigsten sich selbst. Die Alter­na­tive zur Tren­nung heisst Entwick­lung. Und die geht so.

Die meisten Menschen lernen eine Part­nerin oder einen Partner kennen, ohne sich selbst zu kennen: Sie beginnen eine Bezie­hung, ohne zu wissen, was sie von dieser Bezie­hung erwarten und wie diese Bezie­hung funk­tio­nieren soll. Manchmal werden wir auch so lange bezirzt, bis wir aus Bequem­lich­keit (oder mangels Alter­na­tiven!) in eine Bezie­hung einwil­ligen. Mehr als 60 % aller Bezie­hungen sind solche «Notlö­sungen». Statt für eine Bezie­hung mit der Traum­part­nerin oder dem Traum­partner entscheiden sich die meisten Menschen für eine Verbin­dung mit dem Menschen, der gerade verfügbar ist. 

Sehr oft werden dabei die eigenen Bedürf­nisse zurück­ge­stellt. Das geht meist eine Zeit lang gut: Die eigenen Wünsche werden mit ange­nehmen Gewohn­heiten, tägli­cher Routine und dem Gefühl, «ein Team zu sein» unter Verschluss gehalten. Doch Bedürf­nisse lassen sich nicht über einen längeren Zeit­raum unter­drü­cken: Sie melden sich früher oder später zurück – bis es eines schönen Tages nicht mehr weiter geht und sich mindes­tens eine der beiden betei­ligten Personen einge­steht: «Ich halte das nicht mehr länger aus!» «Ich bin sowas von unglück­lich!» «Ich fühle mich nicht gesehen!» Wenn nicht schon Hopfen und Malz verloren ist, taucht an diesem Punkt in der Regel auch der Wunsch auf, dass die Bezie­hung wächst und grösser und tiefer wird.

Alter­na­tive zur Trennung

Einige Menschen entscheiden sich an diesem Punkt auch für eine Tren­nung. Ziehen sie aller­dings keine Erkennt­nisse aus der geschei­terten Bezie­hung, gelangen sie früher oder später wieder an den glei­chen Punkt. Denn wir nehmen uns und unsere Muster in die nächste Bezie­hung mit. Und wenn die erste Verliebt­heit vorbei ist, tragen wir auch in der neuen Bezie­hung die genau glei­chen Konflikte aus wie eh und je. Das Spiel kann also von vorne beginnen. Wobei zum Glück die wenigsten Menschen eine Bezie­hung als Spiel sehen.

Gibt es eine Alter­na­tive? Aber sicher! Die aller­meisten Bezie­hungen brau­chen keine Tren­nung. Sondern eine Entwick­lung. Die betei­ligten Personen müssen unab­hängig vonein­ander einen Entwick­lungs­schritt machen. Heisst: von einer aussen­be­zo­genen Part­ner­schaft zu einer innen­be­zo­genen Part­ner­schaft kommen und bei diesem Prozess ihr ganzes Herz, ihre ganze Seele und ihr ganzes Wesen einbringen. 

Eine neue Beziehungsebene

Dieser Prozess läuft häufig zeit­ver­zö­gert ab: Eine Person geht voran; die andere wird quasi zu ihrer Entwick­lung gedrängt. Teil dieser Entwick­lung ist selbst­ver­ständ­lich auch das Beant­worten unan­ge­nehmer Fragen wie: «Wer bin ich?». «Was brauche ich?». «Was muss ich loslassen?». Wenn sich beide auf ihre Entwick­lung einlassen, können sie sich in einem nächsten Schritt auf einer neuen Bezie­hungs­ebene begegnen – bis es Zeit für den nächsten Entwick­lungs­schritt ist. Vor allem, wenn Kinder im Spiel sind und noch eine Rest­glut der alten Liebe vorhanden ist, lohnt sich dieser Schritt unbedingt. 

Dabei ist es wichtig, dass du keine Angst vor der Krise hast: Nur, weil ihr in eine Bezie­hungs­krise geraten seid, ist weder an dir noch an dem Menschen, mit dem du eine Bezie­hung einge­gangen bist, irgend­etwas falsch. So schmerz­lich und so unbe­quem dieser Zustand auch ist: Wenn deine Bezie­hung nicht mehr im Flow ist, wird es höchste Zeit, ein neues Bewusst­sein zu entwi­ckeln. Wie das gehen soll? Erst einmal ist es hilf­reich zu wissen, dass beim Wort «Ich» ledig­lich 5 % selbst­be­stimmt sind: 95 % von dem, was unsere Bezie­hungen ausma­chen, spielen sich im Unter­be­wusst­sein ab. Wir haben keinen direkten Zugriff darauf und können nur erahnen, was da lauert. Oder wir ahnen es, und verdrängen es aus Angst mit aller Kraft. 

Ich bin nicht ich

Eine weitere, hilf­reiche Erkenntnis ist die Tatsache, dass 80% unseres Bindungs­ver­hal­tens während der Schwan­ger­schaft im Mutter­leib und während der ersten 3 Lebens­jahre geprägt wird. Damit unsere kind­li­chen Bedürf­nisse wie Auto­nomie, Bindung, Kontrolle, Spon­ta­neität und Spiel erfüllt werden, passen wir uns perfekt unserem Umfeld an. Unser Bindungs­ver­halten hat also nur noch wenig mit uns selbst oder unserem urei­genen Wesen zu tun. Dafür viel mehr mit dem bioche­mi­schen, emotio­nalen, physi­schen und prägenden System, das uns umgibt. Dieses gibt sozu­sagen einen Gefühls­ab­druck der Mutter (später auch des Vaters), der uns glauben lässt: «Das bin ich». 

Doch unsere Eltern haben ihre eigene Art zu fühlen, zu lieben und ihre eigenen Kondi­tio­nie­rungen und Muster. Wenn wir mit 3 Jahren eine eigene Persön­lich­keit zu entwi­ckeln beginnen, haben wir bereits «ein volles Programm» auf unserer kleinen, emotio­nalen Fest­platte und die Muster und Kondi­tio­nie­rungen aus der vorsprach­li­chen Zeit liegen gut geschützt in unserem Unter­be­wusst­sein verborgen. Die meisten Menschen leben in einer Bezie­hung mit dieser unbe­wussten emotio­nalen Fest­platte. Sie hat unser Verständnis von Liebe und damit auch unser Verständnis von uns selbst geprägt – obwohl sie gar nichts mit uns zu tun haben. Mit diesen Prägungen gehen sie dann eine Bezie­hung ein, die ihnen unter Umständen nicht guttut, weil sie nicht ihrem wahren Wesen entspricht. Viele Bezie­hungen bestehen demzu­folge aus vier Teilen. Neben den beiden Anteilen der erwach­senen Personen sind auch die beiden unbe­wussten Anteile aus der Kind­heit am Start. Sie beherr­schen und bestimmen die Bezie­hungen mit ihren alten Mustern, Schat­ten­seiten und Wunden. Und das wollen die wenigsten Menschen wahrhaben.

Das Unter­be­wusst­sein steuert uns

Die Anzie­hung zu anderen Menschen wird also im Wesent­li­chen durch unser Unter­be­wusst­sein bestimmt: Da finden zwei zusammen, die all ihre Ängste und Schmerzen im Gepäck haben und sich gegen­seitig immer wieder trig­gern. Je mehr man diese Ängste und Schmerzen igno­riert, desto stärker werden sie von der Part­nerin oder vom Partner gespie­gelt. Nicht, weil uns der andere Mensch bewusst ärgern will. Sondern, weil er ist, wie er ist. Wir müssen verstehen, dass eine Bezie­hung wenig mit roman­ti­scher Verklä­rung zu tun hat. Und viel mehr ein Entwick­lungs­raum für unser Herz ist. Eine Bezie­hung lädt uns ein, unseren Wachs­tumsweg zu gehen. Sie schafft einen Raum, in dem wir uns selbst kennen­lernen können und in dem wir eine erwach­sene Liebe lernen und leben können. Eine Liebe auf Augen­höhe, in der man sich mit seiner Stärke aber auch mit seiner Verletz­lich­keit zeigen darf. 

In einer Bezie­hung geht es also darum, seinen eigenen Weg zu finden, gut für sich zu selbst zu sorgen und gleich­zeitig sein Herz offen zu halten. Das heisst: Auch Grenzen zu setzen, ohne abzu­spalten oder wegzu­rennen. Zu lernen, sein Herz zu öffnen, ohne sich zu verlieren, zu opfern oder symbio­tisch mit der anderen Person zu verschmelzen. Nur wenn wir ganz nah mit uns verbunden sind, ganz uns selbst sind, authen­tisch sind, können wir die natür­liche Anzie­hungs­kraft in der Bezie­hung erhalten, weil wir uns selbst nahe sind – und das auch gerne sind.

Raum für Entwicklung

Wer eine erfolg­reiche und glück­liche Part­ner­schaft leben will, tut deshalb gut daran, Raum für Entwick­lung zu schaffen. Und nicht all seine Kraft in Arbeit zu stecken und die ganze Frei­zeit mit Freunden und Hobbys zu verplanen oder seine Krea­ti­vität an 100 verschie­denen Orten auszu­leben – und dann zu hoffen, dass sich die Bezie­hung prächtig entwi­ckeln wird. Eine Bezie­hung kann sich nur entwi­ckeln, wenn sie Energie bekommt, wenn Enga­ge­ment da ist und wenn sie Raum und Zeit erhält. 

Beson­ders wichtig ist, dass man sich als Paar traut, einfach nur zu zweit zu sein (nein, nicht vor dem TV) und dass man lernt, diese Zeit wirk­lich präsent mitein­ander zu verbringen. Das ist nicht immer ganz einfach. Aus diesem Grund kann es sich lohnen, ab und zu die Hilfe eines Coaches in Anspruch zu nehmen. Das funk­tio­niert als «Start­hilfe» genauso gut wie als regel­mäs­siges Time-Out – so, wie man alle sechs Monate zur Dental­hy­gie­ni­kerin geht, um seine Zähne zu pflegen, geht man als Paar regel­mässig ins Coaching, um seine Bezie­hung zu pflegen.

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Über den Autor

Dominique Raymond Rychner ist syste­mi­scher Life- und Busi­ness­coach in Zürich. Er ist Vater von zwei Teen­agern, geschieden und bietet im Kreis 6 indi­vi­du­elle Coachings für Frauen, Männer und Paare an. Daneben führt er regel­mässig Semi­nare für Fami­li­en­stel­lungen durch. Diese Fami­li­en­stel­lungen sind auch im Rahmen von indi­vi­du­ellen Coachings möglich. Dominique Raymond Rychner verfügt über 25 Jahre Bera­tungs­kom­pe­tenz im inter­na­tio­nalen Privat- und Firmenkundengeschäft.